Münchner Gesicht

Münchner Gesicht – #7

Das Wort ist sein Freund. Ob geschrieben, gesprochen oder gesungen – wenn in Münchens Cafés und Kneipen lauthals gelacht wird, kann Sebastian Klug nicht weit sein. Denn er ist ein Non-Stop-Komiker, ein Herzensmensch und Kreativkopf, der seine Spuren in der ganzen Stadt hinterlässt oder eben im World Wide Web. Wie zum Beispiel mit dem Kurzfilm „Wir machen’s diesmal einfach anders“, der momentan darum kämpft, bei der Regensburger Kurzfilmwoche zu gewinnen (dafür abstimmen kann man übrigens hier!). Und wenn der Klugi (gegen diesen Spitznamen wehrt er sich seit Jahrzehnten erfolglos) mal nicht gerade vor der Kamera steht, sich in Werbeagenturen herumtreibt, die Grantnockerl-Kolumne im curt oder Konzepte, Exposés und Drehbücher schreibt, dann kann man davon ausgehen, dass er das macht, was neben ihm neben dem Schreiben am liebsten ist: Das Leben genießen.

Der Fragebogen.

Zuagroaster – oder Münchner Kindl?
Hoibad: Geboren in Fürstenfeldbruck, aufgewachsen in Wolfratshausen. Aber da beides im S-Bahn-Bereich München liegt, gehört die Stadt irgendwie zu meiner Heimat dazu.

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Warum München und nicht Hamburg, Köln, Berlin oder gar New York?
Nach dem Zivildienst bin ich zwengs dem Studieren nach Regensburg gegangen. Eine wirklich wunderschöne Stadt, aber irgendwas hat mir dort gefehlt. Ich dachte lange, es wären die Berge, mittlerweile glaube ich aber, es ist die Isar. Die Isar ist sowas wie mein Lebensfluss. Ich habe meine ganze Kindheit an der Isar verbracht, und egal, ob es in München, Wolfratshausen, Tölz, Lenggries oder Fall ist: Wenn ich an der Isar bin, bin ich daheim. New York wäre schon auch was, aber diesem Hudson fehlt leider irgendwie dieses Gebirgsbachartige.

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Was wäre München ohne dich?
Vielleicht ein bisschen grantiger, weil ich bei zu viel Grant um mich herum gerne versuche, bessere Stimmung zu verbreiten. Vielleicht aber auch weniger grantig, weil ich ja schon auch gerne selbst grantel. Im Endeffekt und rein rechnerisch wäre München damit also ohne mich genau so wie mit mir. Naja, außer halt ein paar Kilo leichter.

Was fehlt dir in München?
Eine Form von Freiheit, die der Geregeltheit der Dinge entgegenwirkt. In München bist Du ja als Gastronom ein krimineller Revoluzzer, wenn Deine Stühle fünf Zentimeter über die Bodenmarkierung des Kreisverwaltungsreferats herausragen. Ein bisschen mehr Anarchismus und Lockerheit, und dafür ein bisschen weniger Geldadel und „Premium“-Haltung, das wär’s.

Anekdotenzeit: Was ist dir hier schon passiert, was wirklich nur in München passieren kann?
Ich saß mal mit einem alten Freund, dem Felix, beim Fraunhofer vor der Tür, an einem schmalen Tisch auf dem Gehsteig der Fraunhoferstraße. Bedient hat uns der etwas bis ziemlich runde Schankwirt mit den in Bayern üblichen Worten „Wosgriadsn?“. Der Felix bestellt daraufhin also ein Helles und ich ein Radler, das auch umgehend kommt. Wir stoßen an, trinken – und mein Gesicht verzieht sich: Statt Limo befindet sich in meinem Radler Mineralwasser. Der Schankwirt kommt, ich spreche ihn auf mein saures Radler an – und er blickt mich zwei Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen, erst kritisch, dann fast wütend an. Greift nach meinem Glas, riecht daran, hebt fragend eine Augenbraue, nimmt einen riesigen Schluck aus meinem Glas, verzieht ebenfalls das Gesicht und spuckt das Gesöff vor mir auf den Boden des Trottoirs. Mit einem noch wütenderen „Des konnst jo ned saffa, des Gwasch!“ nimmt er den Krug und schüttet den gesamten Inhalt schwungvoll, ohne zu schauen, in hohem Bogen über die Schulter auf die Straße, wo er um ein paar Zentimeter mit dem Bierschorlenschwall ein vorbeifahrendes Cabrio verfehlt. Dem Cabriofahrer ist vor Schreck förmlich die Fönfrisur ins Polohemd gerutscht. Als er mir 30 Sekunden später ein Ersatzradler hinstellt, bleibt er mit prüfendem Blick neben mir stehen, bis ich den ersten Schluck genommen habe. Erleichterung: Mein Bier ist tatsächlich mit Limo gemischt. Der Schankwirt blickt mich triumphierend an und sagt: „Mia wissn fei scho, wia a Radler geht, ge! So a Körperverletzung wia des grod eben is bei uns ned üblich, nur, dass’d as woaßt!“

Dein liebstes bayerisches Wort?
Da gibt’s so viele. Wenn ich jetzt grad eines aussuchen müsste, wäre es „Griasde“. Weil es sich vom „Servus“ genauso abhebt wie vom „Griaß God“, quasi Traditionalismus und Säkularisation in einem Wort vereint. Eine unfassbare Leistung. Mia Bayern san scho Hund.

Wenn du einem Münchener einen Orden verleihen könntest, wer würde ihn erhalten?
Der Till Hoffmann. Der Till betreibt u.a. das „Lustspielhaus“, das „Vereinsheim“, die „Milla“ und noch ein paar andere Läden, ist Veranstalter für so ziemlich jeden großen Kabarettisten in München, Plattenlabelchef, Booker und was nicht noch alles. Bei dem laufen nahezu alle Fäden zusammen, was Kulturarbeit angeht. Er, seine Mitarbeiter und die komplette Münchner Künstlerschaft kümmern sich um diese Stadt wie kaum ein anderer. Das ist wirklich eine Leistung.

Welche bayerische Köstlichkeit könnte jeden Tag auf deinem Teller liegen?
Butterbrezn. Bei Dingen wie Schweinsbraten, Weißwürschd, Leberkas, Blutwurschd, Schnitzel, Kalbspflanzerl, Leberknödlsuppen und den anderen Kameraden bin ich dagegen vorsichtig. Ich hab unfassbare Angst davor, mich irgendwann an irgendetwas satt gegessen zu haben, was ich dann nicht mehr runterbekomme. Dass ich statt einer Leberkassemmel ein Feldsalat mit Lachs bestelle zum Beispiel – eine Horrorvorstellung. „Ein Leben ohne Leberkas ist möglich, aber sinnlos“ hat Loriot mal fast gesagt, und ich stimme ihm da voll und ganz zu. Mein Gott. Über sowas sollte ich nicht reden. Mir läuft’s kalt den Rücken runter bei dem Gedanken.

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Dein München Geheimtipp?
Nicht ohne Licht Rad fahren. Und nicht über rote Ampeln. Die erwischen Dich. Oiwei.

Wo gibt’s in München das beste Eis?
Schwierig. Von der Qualität her im Ballabeni. Wenn man aber nach dem Rumtoben (ein schönes Wort, ganz besonders für Erwachsene) im Schyrenbad ein Calippo schleckt, ist der Genuss fast noch größer, weil die Zeitreise quasi gratis mit drin ist.

Und wo das beste Schnitzel?
Beim Thomas in der Au. Der Thomas ist einer meiner besten Freunde, noch aus der Schulzeit. Der ist eigentlich Neurologe, brät aber nebenher daheim von Zeit zu Zeit großartige Schnitzel, deren Qualität er anschließend mit den Worten „Ja, mei, ma kann’s scho essen, so ist das ja nicht“ kommentiert. Er brät die Schnitzel übrigens nackt, damit seine Kleidung nicht so nach Bratfett stinkt. Funktioniert aber nicht so richtig, weil er die Kleidung zwar auszieht, aber auf einen Stuhl direkt neben dem Herd legt. Seltsam irgendwie: Da ist einer schon Doktor, aber den Alltag hat er trotzdem nicht so richtig im Griff.

Wo ist deine liebste Lauf-/Spazierstrecke in München?
A gentleman will walk, but never run“ – und das dann an der Isar entlang, von der Wittelsbacher Brücke bis runter nach Thalkirchen. Besser noch: Auf’s Radl und noch weiter runter. Da wird’s dann idyllisch und immer noch idyllischer, bis die Idylle irgendwann fast nicht mehr zu ertragen ist.

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Wenn du die Zeit 30 Jahre vordrehst: Wo bist du dann und was machst du?
Ziemlich sicher in Bayern, ziemlich sicher nicht in München. Stattdessen eher im Grünen. Ich werde wahrscheinlich und hoffentlich schreiben, jeden Tag, wenn’s gut läuft ordentlich bezahlt. Von meinem Hausarzt werde ich mir in regelmäßigen Abständen sagen lassen, dass ich weniger Süßes essen soll, und heimlich futtere ich dann in einem kleinen Gartenhaus mit meinem Enkelkindern Kinderriegel. Ich werde viel Gitarre spielen, elektrisch, Blues, mit Blick auf die Berge, und natürlich begleitet vom sanften und zugleich wilden Rauschen der Isar. Mei, wenn ich das so lese, kann ich es kaum erwarten…

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