Münchner Gesicht

Münchner Gesicht – #5

Zugegeben, ihren Namen kennen wenige – und ihr Gesicht auch nicht. Aber ihre Arbeit ist überall in der Stadt präsent. Denn Annette Wild ist die Chefredakteurin der Straßenzeitung BISS (Bürger in sozialen Schwierigkeiten). Und dass sie in dieser Rolle ein wichtiges Gesicht für München ist, steht wohl außer Frage. Was sie mit dieser Stadt und Ihrem Flair verbindet, das lest ihr hier. 

Annette Wild BISSFoto: Sascha Kletzsch

Der Fragebogen.

Zuagroast – oder Münchner Kindl?
Zuagroste. Ich komm’ aus dem Allgäu.

Warum München und nicht Hamburg, Köln, Berlin oder gar New York?
Weil meine beiden Schwestern schon in München gewohnt haben und ich nach viereinhalb schier endlosen Jahren in der Tristesse von Hildesheim, wo ich studiert habe, wieder näher an Zuhause, am Süden, meiner Familie und den Bergen sein wollte. Darum nicht Hamburg: Weil ich mich von meinen alten Allgäuer Freunden, von denen damals viele nach Hamburg gezogen sind, emanzipieren musste – auch wenn ich sie sehr lieb hatte und habe. Berlin war zu groß, zu trostlos und zu weit weg von allem. New York auch. Besser gesagt, war New York noch nie in meinem Kopf.

Was wäre München ohne dich?
München wäre dasselbe. Dann würde eben ein anderer motivierter Chefredakteur BISS machen.

Wo ist dein Lieblingsplatz in München?
Es gibt nicht nur einen, es sind viele: An der Isar zwischen Stauwehr und Holzbrücke, auf der großen Wiese auf halbem Weg zum Gipfel des Olympiabergs, im Maria-Einsiedel-Bad, im nördlichen Teil des Englischen Gartens, im Hirschgarten-Biergarten.

Was fehlt dir in München?
Mir fehlt hier manchmal die bunte Mischung an Menschen, die man zum Beispiel in Paris sieht. Hier herrscht viel Uniformität. Am Äußeren erkennt man in München oft schnell, aus welchem Stadtteil die Person kommt und wie viel Geld sie verdient. Neulich auf dem Wochenmarkt am Josephsplatz habe ich beobachtet, dass um mich herum lauter Frauen um die 40 mit kleinen Kindern waren, die alle Wintermäntel, Mützen, Stiefel und sogar Kinderwagen der selben Marken hatten. Ein bisschen gruselig. Wie die grauen Herren bei Momo. Vielleicht kann sich langsam ja wirklich nur noch eine bestimmte Schicht die Mieten um den Josephsplatz leisten. 

Anekdotenzeit: Was ist dir hier schon passiert, was wirklich nur in München passieren kann?
Ich hab mich in einen Münchner verliebt, der hier nie weggegangen ist. Woanders hätte ich ihn ja nie kennen lernen können 😉

Dein liebstes bayerisches Wort?
Zwiedawuazn. 

Wenn du einem Münchener einen Orden verleihen könntest, wer würde ihn erhalten?
Sophie Scholl.

Welche bayerische Köstlichkeit könnte jeden Tag auf deinem Teller liegen?
Hofpfister-Brot.

Dein München Geheimtipp?
Das kleine Restaurant „Tabula Rasa“ am Holzplatz im Glockenbachviertel. Die Nudelsuppe im Hanoi City in der Nordendstraße, der Allgäuer Käsestand auf dem Wochenmarkt an der Pinakothek der Moderne, der Frisör „Peter“ in der Belgradstraße, der kleine Kruschtladen in der Friedrichstraße Ecke Goergenstraße. Äpfel ernten im Olympiapark

Wo gibt’s in München das beste Eis?
Ganz klar: Beim Bartu, Herzog- Ecke Wilhemstraße. Unbedingt das Pistazieneis probieren!

Und wo das beste Schnitzel?
Schwierig. Das größte gibt es sicherlich im Steinheil. Es ist so groß, dass es über den Tellerrand lappt.

Wo ist deine liebste Lauf-/Spazierstrecke in München?
Am südlichen Hang des Olympiabergs mit Blick auf München und manchmal die Berge. Aber nur zum Spazieren. Laufen gehe ich nicht.

Wenn du die Zeit 30 Jahre vordrehst: Wo bist du dann und was machst du?
Dann bin ich 69 Jahre alt, arbeite immer noch, weil ich viel zu wenig Rente bekomme. Ich durchwühle hoffentlich keine Flaschencontainer, sondern verdiene noch als Journalsitin, Autorin oder Redakteurin mein Geld. Ich habe ein kleines Häusl mit Blick auf die Berge im Allgäu. Dort gibt es einen großen Gemüsegarten und der Küche steht ein Holzherd. Im Garten baue ich mit meinem Mann (hoffentlich ist das dann immer noch der gleiche) Gemüse an, wecke ein, setzte Schnäpse an, backe Brot, trockne Pilze. Dazwischen lese ich viel, fahre Fahrrad, gehe wandern und abends ins Kino. Hin und wieder kommen mich meine beiden Kinder mit meinen Enkelkindern besuchen. 

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