Wohnungsmarkt

WG-Zimmer gegen Sex: Das Interview

Das Interview: Zwei Männer. Eine Wohnung in München. Und ein dubioses Angebot.

Was auf den ersten Blick wie ein absoluter Glücksgriff auf dem Münchner Wohnungsmarkt aussieht, entpuppt sich beim genauen Lesen als eine Anfrage zur Prostitution: Zwei Männer, die ein Start-up Unternehmen haben, bieten auf ImmoScout24 ein WG-Zimmer an. Es soll 125€ kosten, liegt mitten in Schwabing und neben bester Ausstattung, inklusive Wasserbett, wird von der „Mitbewohnerin“ verlangt, dass jeder der Männer zweimal die Woche mit der Dame schlafen kann. Als Gegenleistung für das Zimmer. Und deswegen – keine Frage – wird das Zimmer natürlich nur vermietet, wenn die zukünftige Mitbewohnerin sich mit einem Foto bewirbt. 

Bisher haben diverse Online-Medien (welt.de, Abendzeitung, tz-online, bild.de) davon berichtet.

Ich habe die beiden Herren direkt gefragt, was wirklich dahinter steckt. Per E-Mail. Denn persönlich wollten sie sich nicht mit mir treffen. Hier lest ihr das komplette Interview.

Ihr bietet ein Zimmer und verlangt dafür regelmäßig Sex. Ist das tatsächlich ernst gemeint?
Ja.

Wie kommt ihr auf so eine Idee?
Der Annoncentext ist eigentlich zu 90 Prozent eine Entdeckung aus dem Internet. Als Korbi zufällig darauf gestoßen ist, hat‘s ihm glatt die Sprache verschlagen, denn die Beschreibung der Zimmer und der Bewohner passte außer der Quadratmeterzahl und ein paar anderer Kleinigkeiten perfekt zu unserer aktuellen Wohn- und Lebenssituation. Deshalb sagten wir sofort eher scherzhaft, dass wir das genauso machen werden. Aus dem Scherz wurde dann immer mehr ein „Warum eigentlich nicht?“ und schließlich schalteten wir dann die Anzeige.

Wie viele Frauen haben sich auf diese Anzeige gemeldet?
Bisher circa 150.

Könnt ihr die Anfrage moralisch vertreten? Immerhin ist es eine Art Prostitution.
Deine Frage impliziert, dass Prostitution an sich unmoralisch ist. Wir machen da Unterschiede und haben von Anfang an gesagt, dass wir nur eine Mitbewohnerin wollen, bei der wir sicher sind, dass sie es gerne macht und eben nicht aus einer Zwangslage heraus. Wenn wir so jemanden finden, wo liegt dann das moralische Problem?

Schon nach kurzer Zeit wurde die Anzeige auf ImmoScout entfernt. Gab es von der Website eine Erklärung?
Nach 2 Tagen wurde die Annonce „aus Gründen der Qualitätssicherung“ deaktiviert. Momentan stehen wir mit der Seite in Kontakt und versuchen klarzumachen, dass wir durchaus für Qualität stehen ;-).

Als ich die Anzeige las, musste ich lauthals lachen. Ich bin davon ausgegangen, dass es ein Fake ist. Was hat die Anzeige bei euch im E-Mail-Postfach für Reaktionen ausgelöst?
Die Reaktionen reichen von den eben schon erwähnten ernsthaften Interessentinnen über Sympathiebekundungen und Bitten um Zusendung der Bilder bis hin zu ablehnenden Zuschriften, wobei sich letztere beiden quantitativ in etwa die Waage halten.

Glaubt ihr, dass so eine Anzeige nur in München funktioniert, weil der Markt so gesättigt ist? Oder könnte das auch in einer anderen deutschen Stadt funktionieren?
Das kann überall funktionieren, aber wohl nicht in diesem extremen Ausmaß wie hier in München, wo seit Jahrzehnten eine haarsträubende Stadtplanungs-Politik betrieben wird. Und wenn durch unsere Aktion auf diese prekäre Situation weiter aufmerksam gemacht wird, umso besser.

Was würden eure Mütter dazu sagen, wenn sie wüssten, was ihr so auf dem Immobilienmarkt treibt?
Da muss man differenzieren: Korbis Mutter ist Alt-68erin und hat selbst eine Zeit in einer Kommune gelebt. So ein riesen Unterschied zu damals ist das was wir vor haben auch nicht. Die Mutter von Thomas ist schon eher die klassische Vertreterin einer biederen Moral, mit der du anscheinend alle Mütter gleichsetzt. Aber auch sie wäre wahrscheinlich froh, dass sich ihr Filius nicht durch die Betten der Stadt wühlt, sondern seine Aktivitäten auf eine Person beschränkt.

Ihr geht sicher heute Abend – nach der 18-Stunden-Schicht – mit euren Kumpels noch ein Bier trinken. Wie werden die reagieren?
Wenn sie was von der Sache mitbekommen haben, werden wir wohl viel zu erzählen haben. Bigotte Vorhaltungen werden wir aber wahrscheinlich nicht zu hören bekommen, weil auch unsere Freunde im 21. Jahrhundert leben und nicht mehr einer seit den 60er-Jahren überkommenen Sexualmoral anhängen.

Anmerkung: Da ich die hier interviewten Personen nie getroffen habe, sondern die komplette Kommunikation via E-Mail stattgefunden hat, kann ich nicht dafür garantieren, dass die Inhalte der Wahrheit entsprechen. Ich schließe nicht aus, dass es sich um ein Fake handelt oder eine PR-Aktion dahintersteckt. Mir ist bewusst, dass ich hiermit gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoße, glaube aber, dass dieses Interview nicht in meinem E-Mail-Postfach vergammeln sollte. 

Nachtrag: Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es sich wahrscheinlich doch um ein Fake handelt. Lest selbst! 

Ein Screenshot von der hier besprochenen Anzeige:

Screenshot ImmoScout 16.01.2013 15:18

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3 Kommentare zu “WG-Zimmer gegen Sex: Das Interview

  1. Pingback: Raf, Kiffen, Berlin live und immer wieder Österreich | Mics&Beats

  2. Pingback: Lastknightniks Woche (03/2013) | Last Knight Nik

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